Die menschliche Kommunikation erfolgt in Form von verbaler Kommunikation, d.h. in Worten. In einer konkreten Begegnung werden jedoch nur etwa 7 % der Informationen, die wir übermitteln, und der Wirkung, die wir auf unser Gegenüber, unser Publikum, haben, von den Worten getragen, die wir sprechen. Etwa 38 % sind die emotionale Aufladung, die Vokalität, die Art und Weise, wie wir sprechen, und 55 % sind Körpersprache, Körperhaltung, Präsenz, Mimik. Wir sind uns dessen oft nicht bewusst, und der Gebrauch moderner Kommunikationsmittel (Telefon, Computer) verzerrt dies. Pferde kommunizieren nicht mit Worten, daher sind die beiden anderen Faktoren (emotionale Ladung, Motivation; Körpersprache, Präsenz) viel wichtiger. Wenn wir mit Pferden kommunizieren und unseren Willen und unsere Absichten ihnen gegenüber durchsetzen wollen, müssen wir diese Mittel der nonverbalen Kommunikation nutzen. Sie zu entwickeln, ist auch zu unserem eigenen Vorteil.

Die sozialen Medien ermutigen uns, anderen immer das bestmögliche Bild von uns zu vermitteln und den Eindruck zu erwecken, dass in unserem Leben alles perfekt ist. Die Aufrechterhaltung dieses Anscheins ist jedoch Selbstbetrug. Der zivilisierte Mensch mag keine Misserfolge, er mag keine negativen Emotionen und lehnt daher das Leiden ganz ab. Wenn wir uns nur auf die angenehmen Dinge konzentrieren, nehmen wir sie hin, kratzen wir an der Oberfläche. Die einzige Möglichkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen und echte, unverfälschte Erfahrungen und Gefühle zu machen, besteht darin, sich auf die negativen Dinge einzulassen, die schmerzhaften Erfahrungen zu machen, die uns unangenehm sind (z. B. Kälte, Langeweile, Traurigkeit). Diese Erfahrungen in ihrer Tiefe sind unsere Wurzeln, auf denen wir unser Gleichgewicht aufbauen. Davon genährt, können wir wie eine Pflanze wachsen.

Reitsitzungen helfen uns, uns unserer Gefühle und Körperempfindungen bewusst zu werden, wodurch wir ein vollständigeres Bild von uns selbst bekommen. Wir lernen, die Dinge aus eigenem Antrieb und nicht reflexartig wahrzunehmen, unsere Vorurteile beiseite zu schieben und unsere Sinne zu öffnen, um uns mit unserer Umwelt und den Faktoren, die unser Leben direkt beeinflussen, zu verbinden. Auf diese Weise finden wir auch leichter unser eigenes inneres Gleichgewicht.